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Schlafstörungen? Bleiben Sie entspannt (Magazin Brigitte Woman)
Nachtgespenster - Schlaf ist etwas Kostbares. Doch nicht jede Nacht kommt er sanft und schnell. Das ist ganz normal. Ab und zu schläft Abi Albrecht, stellvertretende Brigitte Woman-Chefredakteurin, nicht besonders gut – vor allem kurz vor Redaktionsschluss einer Ausgabe. Hochspannend fand sie es deshalb, ein kleines Messgerät namens Quisi® zu testen, das ihre Schlafphasen aufzeichnet, über eine Elektrode, die nachts einfach auf die Stirn geklebt wird. "Etwas oberflächlich und zu kurz", bestätigte denn auch Schlafpsychologe Amann-Jennson nach Auswertung ihres Schlafdiagramms. „Aber kein Grund zur Besorgnis!“ Abi Albrecht nahm es gelassen: „Wenn ich mir darüber jetzt auch noch Gedanken mache, kann ich gar nicht mehr schlafen!“ Genau die richtige Einstellung, wie Sie nun erfahren werden.Gudrun Schwab blickt auf das leuchtende Ziffernblatt. Schon das siebte Mal in dieser Nacht. Genervt lauscht sie den gleichmäßigen Atemzügen ihres Mannes, dreht sich auf den Rücken, auf die Seite, auf den Bauch. Doch immer, wenn die 51-Jährige glaubt, noch einmal einzuschlafen, staut sich erneut Hitze unter ihrer Decke, und sie ist hellwach. Wieder einmal wird sie sich wie gerädert durch den nächsten Tag schleppen. 35 Prozent der Bundesbürger wissen, was es heißt, an Schlafstörungen zu leiden und nachts wach zu liegen. Vor allem Frauen und Männer in der zweiten Lebenshälfte leiden unter Schlafstörungen, Insomnie, wie Mediziner sagen. Denn mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur unser Körper, sondern auch unser Schlaf. "Die Schlafarchitektur, also die Verteilung der Schlafstadien, wird instabiler" erklärt Professor Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums Regensburg. Ein Grund dafür bei Frauen: die Menopause. Das Absinken des Östrogenspiegels im Körper führt zu Hitzewallungen, und die stören – wie bei Gudrun Schwab – die Nachtruhe erheblich. Hat sich der Hormonspiegel irgendwann auf einem niedrigeren Niveau eingependelt, kehrt der gesunde und erholsame Schlaf zurück.
Erholsame Nachtarbeit
Schlaf ist ein Grundbedürfnis, ohne ihn werden wir krank. Schon nach drei Nächten unterbrochenen Wachseins begannen die Teilnehmer eines Experiments, sich merkwürdig zu benehmen, Unsinn zu reden oder gar zu halluzinieren. Warum das so ist, kann die Wissenschaft bisher nicht erklären. In Schlaflaboren wird das Phänomen zwar beobachtet und gemessen, doch trotzdem gibt Hypnos – wie der griechische Gott des Schlafes heißt – den Forschern noch viele Rätsel auf.
Fest steht: Schlaf ist eine hochaktive Angelegenheit. Er sorgt für wichtige Reparaturarbeiten am Körper und am Geist. Entscheidend dafür sind zwei Phasen: Im Tiefschlaf arbeitet unser Immunsystem auf Hochtouren, das Gehirn schüttet Wachstumshormone aus und baut neue Zellen auf. Im Traum-Schlaf oder REM-Schlaf (vom Englischen "Rapid Eye Movement") bewegen sich unsere Augen unter geschlossenen Lidern wie bei einem Tennisspiel hin und her. Unser Gehirn arbeitet mehr als im wachen Zustand, wir träumen heftig und verarbeiten die Erlebnisse des vergangenen Tages. Mit den Jahren nehmen die Traumschlafphasen, vor allem aber die Tiefschlafphasen ab. Während junge Erwachsene noch 19 Prozent ihrer Schlafenszeit in dieser Phase verbringen, sinkt der Tiefschlaf-Anteil zwischen 36 und 50 Jahren auf drei Prozent. "Das ist völlig normal, eine natürliche Umstellung und keine Krankheit", betont Schlafforscher Jürgen Zulley.
Das Alter allein ist also noch keine hinreichende Erklärung für Schlafstörungen und schlechte Nächte. US-Forscher wiesen nach, dass soziales Engagement, gute Freunde und gelebter Glaube immer ein sanftes Ruhekissen sind. Weitere bewährte Mittel, um besser zu schlafen: Sport, gesunde Ernährung und Sex. Wichtig ist eine aktive Lebensgestaltung. Eintönige Tage beantwortet der Körper mit Schlafstörungen und schlechtem Schlaf.
Nächtliche Ruhestörung
Schleichendes Gift in Morpheus‘ Armen ist auch Grübelei. Manuela Carstens, 38, kennt das. Ihre Gedanken rasen oft in der Stille. Wenn sie nachts wag liegt, steigert sie sich richtig in etwas hinein. Ihr Kopf gibt keine Ruhe: Schon wieder muss sie die Arbeit für zwei machen, weil ihr Chef ihrer Kollegin kurzfristig Urlaub genehmigt hat; gern würde sie ihm deswegen die Meinung sagen; aber sie hat nach ihrer Scheidung auch Angst, ihren Job zu verlieren; was würde dann aus ihr werden? So hangelt sie sich in einem riesigen Gedankenbaum von Ast zu Ast. Nur an Schlaf ist dabei nicht zu denken.
Durchschnittlich 28-mal pro Nacht wachen wir auf. Ein Relikt aus der frühen Evolution. Damals sollte uns der von der Natur eingebaute Weck-Alarm vor Gefahren schützen. Heute macht er keinen Sinn mehr. Zum Glück bemerken wir dieses Aufwachen meistens gar nicht. Nur wer länger als drei Minuten wach ist, erinnert sich daran.
Doch wenn ständig Gedanken im Kopf herumspuken, hindern sie uns oft daran, schnell wieder einzuschlafen. Das Fatale dabei: Probleme tauchen gern nachts auf. Schuld daran sind Schläfrigkeitshormone, die im Dunkeln auf unsere Stimme drücken. Typisch ist auch das Wachliegen ab zwei oder drei Uhr früh. Denn nach dem Überschreiten des nächtlichen Zenits beginnt der Körper damit, das Stresshormon Cortisol auszuschütten, um uns langsam für den nächsten Tag wieder munter zu machen.
"Sensible Menschen leiden häufiger an Schlafproblemen und Schlafstörungen", sagt Psychologin Sabine Eller, die das Schlaflabor Schillerhöhe bei Stuttgart leitet. Alle, die besonders aufmerksam auf ihre Umgebung reagieren, die schon von Ferne Probleme wittern und deren hellwacher Geist ständig arbeitet, ohne abzuschalten, können das Gedankenkarussel oft nicht stoppen. Schlafforscherin Eller vergleicht unser Gehirn mit einem Computer: In der Nacht räumt ein spezielles Programm die Festplatte auf und sortiert die Daten. Dieses Programm heißt "erholsamer Schlaf". Mit ihm verarbeiten wir unsere Eindrücke und Probleme. Werden nachts jedoch durch ständige Grübelei pausenlos Daten auf unsere Festplatte geladen, ist das zu viel für uns. Wir werden immer erregter. Vor allem in Zeiten biografischer Umbrüche, wenn das Leben durcheinandergerät, machen uns Schlaflosigkeit und Schlafstörungen zu schaffen. Bei den meisten meldet sich der Schlaf mit etwas Abstand zurück. Bei einigen nistet sich die Insomnie allerdings als Dauergast ein, wird chronisch. "Dann beherrscht der fehlende Schlaf das ganze Leben", erklärt Psychologin Eller. Diese Insomniker sehen besorgt der nächsten Nacht entgegen. Statt sich zu entspannen, verkrampfen sie immer mehr. Solchen Menschen rät Sabine Eller: "Nehmen Sie sich vor, nicht zu schlafen." Paradoxerweise funktioniert das oft. Schaden kann dieser Rat auch nicht. Denn wer mal nicht schläft, wird nicht gleich krank. Alle drei Tage holt sich der Körper sein Minimum an Schlaf. Doch wenn der Druck weicht, dösen manche friedlich ein.
Sagenhafte Schlafräuber
Hilfreich kann es auch sein, sich von falschen Vorstellungen zu verabschieden. Zu viele Irrtümer über den Schlaf spuken durch die Köpfe. So schwören Insomniker oft: "Ich habe kein Auge zubekommen." Und das, obwohl man bei ihnen im Labor oft vier oder fünf Stunden gesunden Schlaf messen kann. Tatsache ist: Wir verschätzen uns enorm bei der gefühlten Dauer des Wachliegens. Die scheinbar schlaflose Zeit kann deshalb getrost halbiert werden. Das gibt uns subjektiv viel eher das Gefühl, gut geschlafen zu haben. Und nur davon hängt es ab, ob wir uns am nächsten Morgen erholt fühlen.
Die tatsächliche Schlafdauer ist dafür keineswegs ausschlaggebend. Dass jeder durchschnittlich sieben Stunden pro Nacht schlafen sollte, ist ein Mythos. Die Wissenschaft kennt Menschen, die viel Schlaf benötigen, und solche, die mit wenig auskommen. Einstein brauchte angeblich 14 Stunden pro Nacht, Napoleon nur vier. Bekommt ein Murmeltier unter der Woche mal weniger und ein Express-Schläfer am Wochenende mal mehr Schlaf, ist das nicht dramatisch. Mit den Jahren brauchen wir dann alle ohnehin weniger, manchmal nur noch fünf Stunden pro Nacht.
Falsch ist auch die Annahme, dass wir zu jeder beliebigen Zeit einschlafen können. Denn die Schläfrigkeit funktioniert wie ein Paternoster mit offenem Einstieg. Wer zum richtigen Zeitpunkt aufspringt, schläft ein. Wer diesen verpasst, muss auf den nächsten Einstieg warten – meist 90 Minuten lang. So lange dauert es, bis unser innerer "zirkadianer" Rhythmus, der uns rund um die Uhr wache und schläfrige Phasen schenkt, uns die nächste Müdigkeitswelle schickt. Dann besteht für wenige Minuten die Chance zum Einschlummern. Danach werden wir schon wieder frischer und müssen erneut warten. Wer auf seinen Körper hört, legt sich deshalb sofort schlafen, wenn die innere Uhr das Signal dazu gibt, nicht früher und nicht später.
Traumhafte Nachtruhe
Wie unser natürlicher Rhythmus schwingt, hängt aber auch davon ab, ob wir Morgentypen (Lerchen) oder Abendtypen (Eulen) sind: "Lerchen" können schon um sieben Uhr Bäume ausreißen, "Eulen" werden erst ab Mittag richtig munter. Ab 50 werden wir alle allerdings zu "Überlerchen", weil sich die innere Uhr verstellt. Wir gehen früher zu Bett und wachen nicht selten auch schon wieder sehr früh auf. Der klare Tag-Nacht-Rhythmus hebt sich allmählich auf, schlafen und wachen verteilen sich gleichmäßiger über alle 24 Stunden. Dadurch sind wir tagsüber müder und schlafen nachts nicht mehr so tief. Am besten ist es dann, so konsequent wie möglich nach der inneren Uhr zu leben und zu regelmäßigen Zeit aufzustehen und zu Bett zu gehen. Selbst wer schon bei Tagesanbruch putzmunter ist, sollte nicht liegen bleiben. Frühaufsteher werden schnell das Zeitungslesen zu stiller Stunde oder wohltuende Yogaübungen im Morgengrauen zu schätzen wissen.
Und wer nachts aufwacht und nicht wieder einschlafen kann? Der sollte möglichst gelassen bleiben, rät Schlafforscher Zulley. Denn ohne Entspannung kein Schlaf und ohne Schlaf keine Entspannung. Der 61-Jährige macht selbst in schlaflosen Nächten gar nichts: "Ich liege einfach nur da und genieße es, noch nicht aufstehen zu müssen."
Wie gut ist mein Schlaf?
Wer dies wissen möchte, muss keine Nacht in einem Schlaflabor verbringen. Ein kleines Gerät ermöglicht eine Messung auch im eigenen Bett. "Das aus diesen Daten ermittelte Schlafprofil zeigt uns die Qualität der Nachtruhe", erklärt Schlafpsychologe Günther W. Amann-Jennson, Leiter des Instituts für Schlafforschung und Bioenergetik im österreichischen Frastanz. Brigitte Woman-Leserinnen bietet er zum Preis von 85 Euro exklusiv eine Schlafanalyse mit individuellen Empfehlungen zur Verbesserung ihrer Schlafqualität an. Dazu kommt das Messgerät per Paketpost zusammen mit einem Fragebogen zur persönlichen Schlaf- und Lebenssituation und seinem Buch "Schlaf dich gesund" (160 S., Oesch Verlag) ins Haus. Nachts genügt das Anbringen einer Elektrode auf der Stirn, um die nötigen Daten abzuleiten. Anschließend müssen Gerät und Fragebogen zur Auswertung zurückgeschickt werden. Weiter Infos: www.schlafcoaching.com. Anfragen an: amanngw@schlafcoaching.com.
Gute Nacht!
► Im Durchschnitt schlafen wir Deutschen jede Nacht sieben Stunden und acht Minuten, gehen um 22.47 Uhr ins Bett und stehen um 6.23 Uhr wieder auf.
► Knapp 22 Prozent der Deutschen halten Mittagsschlaf. Das Risiko eines Herzinfarktes sinkt dadurch laut einer amerikanischen Studie um 37 Prozent. Schon ein Nickerchen von 30 Minuten an drei Tagen pro Woche soll wahre Wunder wirken. Wer nachts schlecht schläft, sollte sich allerdings tagsüber maximal 20 Minuten hinlegen.
► Im Schlaf halten wir es mindestens acht Stunden ohne Essen aus. Der Grund: Dann wird das Hormon Leptin ausgeschüttet, das für ein Sättigungsgefühl sorgt.
► 40 bis 60-mal pro Nacht verändern wir unsere Körperhaltung. Wer sich zu viel oder zu wenig bewegt, schläft unruhig und schlecht. Wichtig ist deshalb ein Bett, bei dem sich Matratze und Rahmen individuell an Körperform und Gewicht des Schlafenden anpassen.
► Bei nächtlichem Schwitzen hilft häufig eine bessere Betthygiene. Angenehm ist ein Bett mit „Klimaanlage“, das heißt: spezielle Decken und Matratzen aus hochwertigen Materialien wie Schafschurwolle, die die Feuchtigkeit gut ableiten.
► Synthetische Schlafmittel (Benzodiazepine) können die erholsame REM-Phase beeinträchtigen. Und bei regelmäßiger Einnahme abhängig machen. Sanfte Einschlafhilfen sind pflanzliche Mittel aus Baldrian und Hopfen. Auch ätherische Öle wie Lavendel und Kamille (z.B. in Aromapflastern) fördern das Ein- und Durchschlafen.
► 12 Millionen Deutsche haben Atemaussetzer beim Schnarchen. Die Folgen dieser Schlafapnoe sind Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf. Eine Nasenmaske kann helfen, manchmal sogar schon eine Gewichtsabnahme.
► Sanfte, kaum spürbare Schwingungen im Herzrhythmus verkürzen laut Studien die Einschlafzeit und verbessern die Schlafqualität. Diese Erkenntnis macht sich ein neues Gerät zunutze, das Betten horizontal um Millimeter im eigenen Herztakt hin- und herbewegt.
► Höchstens ein Fünftel unserer Nachtruhe verbringen wir im Tiefschlaf – und das nur in der ersten Nachthälfte.
► Im Tiefschlaf erzeugt das Gehirn so genannte Delta-Wellen, die zur Regeneration und Erholung beitragen, Schlafforscher der Universität Köln haben gezeigt, dass auch eine Musik-CD mit diesen speziellen akustischen Frequenzen das Gehirn zum Tiefschlaf animieren und so bei Schlafstörungen helfen kann.
► Innere Unruhe, Nervosität und nächtliche Wadenkrämpfe, die den Schlaf stören, können ein Zeichen für Magnesiummangel sein. Eine vierwöchige Einnahme des Mineralstoffes kann die körpereigenen Speicher wieder auffüllen. Dabei werden organische Magnesiumverbindungen wie Magnesiumcitrat, Magnesiumaspartat oder Magnesiumglutamat laut Studien besser aufgenommen als anorganische.
► Ob wir uns morgen frisch fühlen, hängt auch davon ab, wann wir aufwachen. Österreichische Forscher testeten jetzt einen Schlafphasenwecker, der 30-Minuten-Zeitfenster ermittelt. Beim Erwachen zur Idealzeit fühlten sich die Testpersonen in dieser Studie besser als diejenigen, die zum ungünstigsten Zeitpunkt geweckt wurden.
► Adressen von Selbsthilfegruppen und Ärzten mit Schlaflaboren gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).
► Zum Weiterlesen: „Mein Buch vom guten Schlaf“ von Jürgen Zulley (19,95 Euro, Zabert Sandmann 2005); „Schlaf dich jung, fit und erfolgreich!“ von Günther W. Amann-Jennson (14,80 Euro, Edition 108united 2008). Zum Hören: „Schlaf gut! Praktische Schlafhilfen zum Ein- und Durchschlafen“ von Jürgen Zulley und Jochen Waibel (3 Audio-CDs, 36 Euro, Ganser + Hanke2007). Mehr Infos: www.schlafgestoert.de.
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